„Europa spricht deutsch“ hat Volker Kauder gesagt und einen Sturm der Entrüstung entfacht. Ganz falsch, sagt Francois Hollande. Es ist notwendig, dass Europa französisch spricht und er pocht darauf, wichtige Unterstützer hinter sich zu haben und das darf man ihm glauben.
Der Streit geht nicht um Kleinigkeiten. Es geht nicht darum, dass Wachstumsanreize – die auch Angela Merkel will – zu gering zugeschnitten werden. Es geht auch nicht allein um den Stabilitätspakt, den – da hat die Bundeskanzlerin recht – schon 25 Regierungschefs unterschrieben und einige Parlamente schon ratifiziert haben. Nun ist in Europa immer alles möglich, aber geschlossene Verabredungen zu ändern, das macht man nicht so gern. Es wird also Ergänzungen geben, sozusagen einen Pakt nach dem Pakt.
Die Schwierigkeit ist jedoch wiederum sprachlich: Wie buchstabiert man Wachstum? Wenn Hollande von Wachstum spricht, verstehen die Deutschen immer nur: Schulden machen. Ein solcher „Wachstumspakt“, sagen sie, würde den „Stabilitätspakt“ aushebeln. Der pfiffige Mario Draghi, seines Zeichens EZB-Präsident, hat hier andere Pläne. Er will Wachstum durch Reformen verkrusteter Strukturen schaffen. Montis Italien ist ein Beispiel. Aber leider ist Europa höchst vielfältig und so sind auch seine Probleme.
Denn was Mario Draghi vorschlägt und womit Gerhard „Basta“ Schröder Deutschland zu seiner glänzenden Spitzenposition verholfen hat, verlangt erstens eine gesunde wirtschaftliche Basis und zweitens ein eisernes Durchhaltevermögen. Beides können einige der „Südländer“ nicht vorweisen und auch Frankreich hat hier Defizite. Unternehmen haben Wettbewerbsprobleme, Banken sind überschuldet, Arbeitsschutzmaßnahmen und Sozialleistungen belasten öffentliche wie Unternehmensfinanzen. Mit anderen Worten: Sie wollen es nicht und sie können es nicht.
Auch die Deutschen haben jedoch auch entscheidend wichtige Unterstützer auf ihrer Seite: Die Finanzmärkte. Wer mehr Schulden macht – und genau das hat Hollande vor, wenn er seine im Wahlkampf verkündeten Reformen umsetzen würde – muss höhere Zinsen für seine Schulden zahlen. Die Schulden werden dann noch teurer. Francois Hollande wird sich also auf einigen Gebieten so entscheiden müssen, wie es Francois Mitterand mit ähnlichen Versprechen bei seinem Wahlantritt 1981 tun musste: Er strich einige der Leistungen und verschob andere in die Zukunft.
Aber selbst mit politischen Spitzenleistungen eines solchen „Pragmatismus“ – die Probleme sind damit noch nicht gelöst: Zunächst sieht Frankreich – und sehen auch andere – das Gleichgewicht in Europa gestört. Es geht nicht um Methoden – vielleicht ist der deutsche Weg tatsächlich der Beste – es geht entscheidend auch um Macht und Einfluss. Frankreich will mindestens gleich gewichtig am Tische sitzen – es ist schließlich Atommacht und Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Italien – für die beides nicht gilt – denkt im Grund jedoch nicht anders.
Wie ist das Rätsel zu lösen, wie können die Ungleichen gleicher werden? Bisher liegt nur ein Vorschlag auf dem Tisch: Die Transferunion. Es ist kaum zu bestreiten, dass Deutschland Gewinne aus seiner starken Stellung im Euro – und seinen frühen Reformen – zieht. Aber wer kann den Deutschen verkaufen, dass sie künftig noch mehr zahlen sollen, wo sie heute schon verängstigt unter dem Trauma leben, ganz Europa auszuhalten? Angela Merkel will es nicht und weder ein Triumvirat Gabriel, Steinmeier, Steinbrück noch ein Trittin könnten es. Europa ratlos – ein Königreich für eine Idee!











